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Vier Jahre nach Emmas Verschwinden hörte ich ihre Stimme im Babyfon: Mein Mann griff sofort zum Stecker

Oktober 14, 2026
in FAMILIE
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Vier Jahre nach Emmas Verschwinden hörte ich ihre Stimme im Babyfon: Mein Mann griff sofort zum Stecker
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2. Part 2 – Das Signal am See

  • 1. Part 1 – Die Stimme aus dem Babyfon
  • 2. Part 2 – Das Signal am See
  • 3. Part 3 – Die Nachrichten von Sandra
  • 4. Part 4 – Hinter der verschlossenen Tür
  • 5. Part 5 – Was nach der Wahrheit bleibt

„Du weißt, wer das ist“, sagte ich.
Tobias bückte sich nach dem Netzteil, hob es aber nicht auf.
Sein Blick sprang zwischen der Tür und dem Babyfon hin und her.

„Katharina, hör mir jetzt zu.“

„Nein. Du hörst mir zu. Wer spricht dort?“

Er streckte die Hand nach dem Empfänger aus.
Ich nahm das Gerät an mich und wich bis zur Schlafzimmertür zurück.
Die grüne Lampe leuchtete weiter.

„Emma?“, fragte ich in die Sprechtaste.
„Wenn du das bist, sag mir bitte, wo du bist.“

Ein Kratzen antwortete mir, dann ein dumpfer Schlag.
Im Hintergrund hörte ich eine Frau etwas rufen.
Die Verbindung brach ab, und die Lampe begann zu blinken.

Tobias setzte sich auf die Bettkante.
Ich hatte ihn selten so hilflos gesehen.
Doch Mitleid konnte ich in diesem Moment nicht empfinden.

„Kennst du diese Frau?“, fragte ich.

„Welche Frau?“

„Hör auf, mich anzulügen.“

Ich ging in den Flur, nahm mein Telefon und wählte die 110.
Tobias folgte mir nicht sofort.
Der Beamte am Telefon ließ mich berichten, was ich gehört hatte, und fragte nach unserer Adresse.
Ich nannte die Straße am See, den nächstgelegenen Ort und die Zufahrt über den schmalen Waldweg.

„Mein Mann ist hier“, sagte ich.
„Ich glaube, er weiß etwas über das Verschwinden unserer Tochter.“

Die Worte kamen schwerer heraus, als ich erwartet hatte.
Vier Jahre lang hatten Tobias und ich dieselben Vermisstenplakate angesehen.
Ich hatte geglaubt, dass wir dieselbe Frage stellten.

Der Beamte bat mich, mich nicht auf eine Suche allein einzulassen.
Eine Streife sei unterwegs; ich solle erreichbar bleiben und das Gerät möglichst nicht verändern.
Als ich auflegte, stand Tobias im Türrahmen.

„Du hast die Polizei gerufen.“

„Ja.“

„Du weißt nicht, was du damit auslöst.“

„Dann sag es mir.“

Er rieb sich über das Gesicht.
„Ich habe gestern einen Anruf bekommen.“

Mir wurde kalt.
„Von wem?“

„Jemand wollte Geld. Er hat behauptet, Emma lebe noch.“

„Und du hast mir nichts gesagt?“

„Ich wusste nicht, ob es stimmt.“

Seine Antwort klang vorbereitet, obwohl er nach jedem Satz länger nach Luft suchte.
Ich fragte, warum ausgerechnet das Babyfon eingeschaltet war.
Er sagte, der Anrufer habe verlangt, dass er den Empfänger aus der Dachbodenkiste hole.

„Damit du etwas hören kannst“, murmelte er.

„Was hören?“

Darauf hatte er keine Antwort.
Ich dachte an die vier Jahre, in denen ich neben ihm eingeschlafen war, weil ich allein nicht mehr schlafen konnte.
Plötzlich erschien mir die Nähe seines Körpers wie etwas, das ich falsch verstanden hatte.

Wir warteten getrennt.
Ich blieb im Flur beim Telefon.
Tobias saß am Tisch, die Hände ineinander verschränkt, und sah unablässig auf die Uhr.

Nach ungefähr zwanzig Minuten fuhren zwei Polizeiwagen auf den Kiesplatz.
Eine Beamtin stellte sich als Kriminaloberkommissarin Bartels vor; sie war wegen der Vermisstensache zum Ferienhaus gerufen worden.
Ihr Kollege sprach mit Tobias, während ich ihr das Babyfon zeigte.

„Hat Ihr Mann die zweite Einheit?“, fragte sie.

„Das behauptet er nicht zu wissen.“

„Dann suchen wir zuerst dort, wo ein Funksignal herkommen könnte.“

Ich zeigte aus dem Fenster auf das Bootshaus am Rand unseres Grundstücks.
Es lag hinter den Weiden, vielleicht achtzig Meter entfernt.
Als Emma klein gewesen war, hatten wir manchmal die Sendeeinheit dorthin mitgenommen, damit ich sie vom Haus aus rufen konnte.
Diese Erinnerung traf mich mit solcher Wucht, dass ich mich am Türrahmen festhalten musste.

„Das Gerät hat dort früher funktioniert“, sagte ich.

Bartels gab die Information weiter.
Sie bat mich, im Haus zu bleiben, bis die Beamten das Gelände überprüft hätten.
Ich sah, wie Taschenlampen zwischen den Bäumen verschwanden.
Tobias wollte ihnen nachgehen, doch sein Gesprächspartner hielt ihn zurück.

„Wir sprechen noch über Ihren Anruf“, sagte der Polizist.

Ich öffnete die Haustür einen Spalt.
Der Geruch von nassem Schilf drang herein.
Ein Motor sprang irgendwo hinter dem Nachbargrundstück an und verstummte wieder.
Vielleicht war es ein Fischer.
Vielleicht bedeutete es gar nichts.
Seit jener ersten Stimme konnte ich solchen Gedanken nicht mehr trauen.

Nach wenigen Minuten rief Bartels uns nicht, sondern kam allein zurück.
Sie hatte Schlamm an den Schuhen und hielt ein durchsichtiges Beweisstückbeutelchen hoch.
Darin lag die kleine Sendeeinheit unseres Babyfons.

„Sie stand in einer Holzkiste unter der Werkbank“, sagte sie.
„Wir sichern den Bereich. Dort hat vor Kurzem jemand gesessen.“

„Emma?“

„Das kann ich noch nicht sagen.“

Mein Körper war bereits einen Schritt auf sie zugegangen.
Die Beamtin hob behutsam eine Hand.

„Wir haben niemanden gefunden. Aber wir nehmen das ernst.“

Ich musste mich setzen.
Nicht weil ich schwach sein wollte, sondern weil meine Knie plötzlich nicht mehr trugen.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Tobias den Kopf senkte.

„Wer hat Sie gestern angerufen?“, fragte Bartels ihn.

Er nannte keine Nummer und keinen Namen.
Er sagte, der Anruf sei unterdrückt gewesen, die Stimme verändert.
Sein Telefon liege irgendwo zwischen den Umzugskartons.

„Es steckt in deiner Hosentasche“, sagte ich.

Tobias sah mich an, als hätte ich ihn geschlagen.
Dann zog er das Telefon hervor und reichte es dem Polizisten.

Später durfte ich unter Begleitung kurz bis zum abgesperrten Bootshaus gehen.
Ich wollte sehen, ob darin wirklich etwas von Emma geblieben war.
Auf der Werkbank stand eine Thermoskanne; daneben lag eine aufgerissene Packung trockener Kekse.
Ein Stuhl war zum Fenster gerückt worden, das in Richtung unseres Ferienhauses zeigte.

„Sie konnte uns sehen“, flüsterte ich.

Bartels blieb neben mir.
„Vielleicht. Bitte fassen Sie nichts an.“

Unterhalb des Fensters hing ein alter Kalender aus dem Jahr, in dem Emma verschwunden war.
Jemand hatte mit Bleistift einen Strich über die Tage gezogen, die längst vergangen waren.
Ich konnte nicht erkennen, ob diese Markierungen neu oder alt waren.
Ich fragte nicht danach.

Auf dem Rückweg hörte ich Tobias hinter mir mit einem Beamten sprechen.
Diesmal war seine Stimme nicht laut genug, um seine Worte zu verstehen.
Als er mich bemerkte, verstummte er.

„Ich werde heute nicht mit dir in diesem Haus bleiben“, sagte ich.

Er nickte, ohne zu widersprechen.

Bartels begleitete mich zum Wagen.
Gerade als ich einstieg, kam ihr Kollege über den Kiesplatz gelaufen.
Er zeigte ihr etwas auf dem Display seines Diensttelefons.
Sie las es, dann blickte sie zu Tobias, der an der Haustür stand.

„Herr Weber“, rief sie, „wir müssen noch einmal über den Namen sprechen, der in Ihren Nachrichten auftaucht.“

Tobias wurde bleich.

„Sandra Vogt“, sagte die Beamtin.
„Wo hält sie sich heute Nacht auf?“

Sandra Vogt. Diesen Namen hatte ich nie mit Emmas Verschwinden verbunden. Jetzt wusste ich, dass Tobias ihn absichtlich verschwiegen hatte.

Warum hatte mein Mann ausgerechnet Sandra Vogt verschwiegen? Lies weiter in Teil 3.

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2. Part 2 – Das Signal am See

  • 1. Part 1 – Die Stimme aus dem Babyfon
  • 2. Part 2 – Das Signal am See
  • 3. Part 3 – Die Nachrichten von Sandra
  • 4. Part 4 – Hinter der verschlossenen Tür
  • 5. Part 5 – Was nach der Wahrheit bleibt
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